Bei Trennungen und Scheidungen sollten mehr als bisher die Nöte der Kinder berücksichtigt werden. Das war die übereinstimmende Auffassung aller Sachverständigen bei der Sitzung der Kinderkommission des Deutschen Bundestages. Die Vorsitzende, Nicole Bracht-Bendt, appellierte an Jugendämter und Gerichte zu einer engeren Zusammenarbeit. Eltern, die sich trennen wollen, forderte sie auf, zum Wohl der Kinder im Gespräch zu bleiben und kostenlose Beratungsangebote in Anspruch zu nehmen. „Kinder sind die Haupt-Leidtragenden bei einer Trennung, weil sie beide Elternteile lieben. Ziel der Politik muss es sein, Scheidungskindern eine Stimme zu geben“.

Der langjährige Familienrichter Jürgen Rudolph (Essen) bemängelte die fehlende Zusammenarbeit zwischen Familiengerichten, Psychologen und Jugendämtern. Psychologische Erkenntnisse müssten in der juristischen Ausbildung unbedingt mehr einbezogen werden. Ein interdisziplinärer Studiengang  an der Universität Mainz sei Vorreiter.

Prof. Dr. Thomas Schulte-Markwort, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie  am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, wies darauf hin,  dass mit einer Scheidung  die Wahrscheinlichkeit für Auffälligkeiten bei betroffenen Kinder deutlich steige. Kinder befänden sich häufig in einem Loyalitätskonflikt und litten teilweise unter Entfremdung. „Eltern bleibt man ein Leben lang“, so  Prof. Schulte-Markwort. Eltern müssten das Wohlergehen der Kinder über eigene Konflikte  stellen.

Prof. Dr. Sabine Walper, Pädagogik-Professorin und renommierte Expertin für den Umgang mit Scheidungskindern von der LMU München forderte im Scheidungsfall verpflichtende Beratungen von Eltern und obligatorische Fortbildungen von Richtern. Einhellige Meinung der Experten war,  die deutsche Gesetzgebung solle bei Scheidungsverfahren das Wohlergehen der betroffenen Kinder in den Mittelpunkt rücken statt die Interessen streitender Eltern.

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