Frau Präsidentin,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

meine sehr geehrten Damen und herren,

der Anteil von Frauen in Führungspositionen und insbesondere in den Vorständen und Aufsichtsräten der großen deutschen Unternehmen ist immer noch deutlich zu niedrig.

Dass sich das ändern muss, da bin ich ganz Ihrer Meinung, Kolleginnen und Kollegen der SPD-Fraktion.

Aber tun Sie doch bitte nicht so, als wäre in den letzten Monaten nichts passiert.

Seit der Aufnahme der Empfehlungen zur Erhöhung des Frauenanteils im Deutschen Corporate Government Kodex in 2010 zeigen sich erste deutliche Erfolge.

Die DAX-30 Unternehmen haben sich daneben konkrete Ziele auch unterhalb der Ebene des Vorstands und Aufsichtsrats gesetzt. Das ist positiv!

Denn mehr Frauen in den mittleren und oberen Führungsetagen ist eine entscheidende Voraussetzung dafür, um mehr Frauen auch in der höchsten Ebene zu etablieren.

Vor diesem Hintergrund lehnt die FDP-Fraktion gesetzliche Quoten derzeit ab. Eine gesetzliche Frauenquote für den Aufsichtsrat und erst recht für den Vorstand wäre ein massiver Eingriff in die unternehmerische Freiheit.

Eine Quote würde auch nur an den Symptomen und nicht an den Ursachen ansetzen. Wir können auch nicht alle Unternehmen über einen Kamm scheren.

Unsere Aufgabe wird es sein,  aufmerksam zu beobachten, ob die freiwilligen Lösungen weiterhin Erfolg haben.  Die FDP-Fraktion setzt deshalb auf Transparenz, auf Offenlegung aller Angaben zum Anteil von Frauen in den Gesellschaftsorganen und in den zwei ersten Führungsebenen unter der Geschäftsführung in allen börsenorientierten Unternehmen.

Eine solche neue Berichtspflicht würde sich gut in den Stufenplan einfügen, den wir im Koalitionsvertrag beschlossen haben.

Bereits jetzt gibt es mit dem Women on Board-Index von FiDAR (Frauen in die Aufsichtsräte) einen gut funktionierenden Monitoring-Ansatz. Der könnte damit auf eine noch größere Basis gestellt werden.

Interessant an dem FiDAR-Bericht, der letzten Monat gerade veröffentlicht wurde, ist übrigens, dass von den Aufsichtsräten, die im vergangenen Jahr neu besetzt wurden, 40 Prozent Frauen waren.

Aber auch ein von der Wirtschaft oder ihren Verbänden selbst durchgeführtes Monitoring auf der Grundlage der neuen Berichtspflicht würde deutlich machen, dass ein höherer Frauenanteil im oberen Management ein eigenes unmittelbares Anliegen der Wirtschaft ist.

Kolleginnen und Kollegen der SPD-Fraktion, fragen Sie doch mal Personalberater. Von wegen, die Unternehmen seien nur sensibilisiert.  Personalberater werden heute regelrecht angefleht, Kandidatinnen zu nennen.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie gab schon letztes Jahr unumwunden zu, dass eine stärkere Beteiligung von Frauen in der Unternehmensführung aus  demografischen und wirtschaftlichen Gründen im ureigenen Interesse der Unternehmen liege.

Meine Damen und Herren, die FDP-Fraktion bleibt dabei: Eine starre Quote für Wirtschaftsunternehmen in Verbindung mit der Änderung des Aktiengesetzes halten wir für einen überzogenen und schwer wiegenden Eingriff in die unternehmerische Freiheit der Unternehmen. Das lehnen wir ab.

Ohnehin wird eine starre Quote unternehmerischen Realitäten nicht gerecht.

Neben transparenten Selbstverpflichtungen sind die gesellschaftlichen, politischen und betrieblichen Rahmenbedingungen so zu ändern, dass Führungsaufgaben auch tatsächlich von Frauen und Männern in gleicher Weise wahrgenommen werden können. Hierfür brauchen wir größere Anstrengungen für einen stärkeren Wandel der Unternehmenskulturen.

Flexiblere Arbeitszeiten, der Kontakt zwischen Unternehmen und Mitarbeiterinnen auch während der Elternzeit, lockere Präsenzpflichten sind das eine. Die Vereinbarkeit von Familie und Karriere ist nicht nur Sache von Frauen. Der Wunsch von Vätern, mehr Aufgaben in der Familie zu übernehmen, muss unterstützt statt gebremst werden.

Kolleginnen und Kollegen in der SPD, Sie kommen in Ihrem Antrag zu dem Schluss, dass Freiwilligkeit nicht zu gerechter Teilhabe in Aufsichtsräten und Vorständen führt. Das sehen wir anders. Ich bin sicher, dass die Wirtschaft auf das wertvolle Potenzial hervorragend ausgebildeter Frauen in Zukunft nicht verzichten kann.

Vielen Dank.

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