Freitag, 12.11.10

Rede Nicole Bracht-Bendt zu Anträgen

a) der Fraktion der SPD

Mit gesetzlichen Regelungen die Gleichstellung von Frauen im Erwerbsleben umgehend durchsetzen

b) der Fraktion der Die Linke

Entgeltgleichheit zwischen den Geschlechtern wirksam durchsetzen

Verehrte Damen und Herren,

sowohl der Antrag der SPD-Fraktion als auch der Antrag der Fraktion Die Linke enthält in der Beschreibung der Situation von Frauen im Arbeitsleben viele Aussagen, die ich teile.

Es ist vollkommen richtig, dass es bei der ungleichen Belohnung und bei der Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsräten, Vorständen und in Leitungspositionen von Wirtschaft, Forschung und Lehre Handlungsbedarf besteht. Und Sie fordern eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen und Männer. Das alles unterstütze ich voll und ganz.

Aber, Frau Kollegin Humme in der SPD-Fraktion, warum haben Sie dies nicht während Ihrer Regierungszeit in der Großen Koalition längst umgesetzt? Bereits damals lag der durchschnittliche Verdienst um 23 Prozent unter dem Gehalt der Männer. Genau wie heute.

Und auch bei den Ursachen hat sich nichts wesentlich verändert. Junge Frauen entscheiden sich damals wie heute noch häufig für schlecht bezahlte Berufe. Ohne große Chancen auf berufliches Weiterkommen, Und es war Ihnen auch bekannt, dass längere familienbedingte Auszeiten aus dem Beruf die Karriere abbremst und sich das natürlich auch auf die Rente auswirkt. Da hat sich gar nichts geändert seitdem.

Und nun in der Opposition wollen Sie mit der Brechstange per Gesetz die Gleichstellung von Frauen im Erwerbsleben umgehend durchsetzen. Und zwar mit einem Riesenpaket an Forderungen, deren Umsetzung enorme neue Bürokratie verursacht.

Die christlich-liberale Koalition hat schon im ersten Jahr einen Antrag mit wichtigen Schritten zur Gleichstellungspolitik vorgelegt.

Wir sind davon überzeugt, dass wir die Männer mit ins Boot nehmen müssen. Dazu gehört, dass wir Stereotype aufbrechen. Niemand schaut eine Frau schief an, wenn sie Ingenieurin oder Erzieherin wird. Ein Mann als Kindergärtner muss hingegen nach wie vor um Anerkennung kämpfen. Deshalb hat die Bundesregierung zum Beispiel ein Programm zur Förderung von mehr Männern in den Kindergärten aufgelegt.

Die von Ihnen geforderte gesetzliche Frauenquote von mindestens 40 Prozent in Vorständen und Aufsichtsräten ist mit uns Liberalen nicht zu machen.

Wir lehnen es ab, die Unternehmen zu bevormunden und ihnen per Gesetz vorzuschreiben, wie sie auf ihre Posten besetzt.

Wenn Sie immer wieder auf Norwegen als Vorzeige-Land verweisen, verschweigen Sie, dass viele Unternehmen dort ihre Gesellschaftsform ändern, um die Quote zu umgehen.

Und Sie ignorieren auch, dass die Mehrheit der Bevölkerung gesetzliche Quoten ablehnen.  Zuschauerbefragungen in Fernsehdiskussionen zeigen dies immer wieder. Und erinnern Sie sich an die Debatte während des jüngsten CSU-Kongresses. Es waren vor allem die jungen Frauen, also die, die es am meisten betrifft, die vehement die Quote ablehnen.

Unabhängig davon verschließt die FDP-Fraktion nicht die Augen davor, dass der Anteil der Frauen in leitenden Positionen der Wirtschaft immer noch verschwindend gering ist. Je größer das Unternehmen, desto weniger Frauen in der Chefetage. Dass die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen in der obersten Ebene am größten sind, halte ich für einen Skandal.

Deshalb setzt die FDP-Bundestagsfraktion auf das Logib-D-Verfahren. Das schafft Transparenz und ist die Grundlage für die dringend notwendige Frauenförderung

Das gilt zum Beispiel für Frauen, die eine Aufgabe in einem Aufsichtsrat anstreben.

Statt einer starren Quote sollten wir die Kriterien verändern.

Warum ist es notwendig, dass ein Aufsichtsrat unbedingt jahrelange Vorstands-Erfahrung haben muss?

Hier werden die Frauen ausgebremst.

So lange man die Frauen in Vorständen suchen muss, werden die Aufsichtsräte weiter eine männliche Bastion bleiben.

Wir sollten hier ansetzen. Es gibt so viele erfahrene Wissenschaftlerinnen, Juristinnen oder Wirtschaftsprüferinnen, die auch ohne Vorstandserfahrung ein Gremium wie den Aufsichtsrat zweifelsohne bereichern würden.

Um den Anteil in Führungspositionen zu erhöhen, müssen zwei Wege beschritten werden:

Wir müssen einen gesellschaftlichen Wandel in Gang setzen. Dazu gehört eine neue Unternehmenskultur mit familienfreundliche Arbeitszeiten und dem weiteren Ausbau der Kinderbetreuung.

Kinder und Pflege von alten Menschen ist nicht auch Sache von Männern.

Wir brauchen eine gezielte Frauenförderung, und die darf nicht erst im Erwachsenenleben beginnen. Schon in der Schule müssen Mädchen motiviert werden, selbstbewusst für ihre Rechte einzutreten.

Und Mädchen wie Jungen  müssen auch wissen, dass Haushalt nicht allein Sache von Frauen ist. Eine Studie des DIW Berlin hat belegt, dass die Lohnkluft nicht nur in unterschiedlicher Qualifikation, Berufswahl und Berufserfahrung und einer häufigeren Diskriminierung von Frauen durch den Arbeitgeber begründet ist.

Ein weiterer Faktor bei den Einkommensunterschieden ist nämlich das Ausmaß der Hausarbeit.

Vollzeitbeschäftigte Männer mähen am Wochenende den Rasen. Vollzeitbeschäftigte Frauen übernehmen ohne zu murren Wischmopp und Kochlöffel.

Einkommen und Karriere müssen zurück stehen, wenn die Flexibität für berufliche Termine oder Überstunden aufgrund der häuslichen Tätigkeit fehlt.

Meine Damen und Herren,

für die FDP-Fraktion steht außerfrage, dass die Gleichstellung von Frauen im Berufsleben überfällig ist. Die christlich-liberale Koalition hat mit ihrem Antrag bereits wichtige Schritte hierzu unternommen.

Die Wirtschaft braucht mehr Frauen, aber die Unternehmen brauchen keine gesetzlichen Vorschriften.

Die Unternehmen müssen vielmehr endlich verstehen, dass es in ihrem Eigeninteresse liegt, über Möglichkeiten zur Heimarbeit, eigene Kindertagesstätten und vieles mehr ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter in Führungspositionen zu erreichen.

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Die Wirtschaft braucht mehr Frauen in den Vorständen und Aufsichtsräten. Aber die Unternehmen brauchen keine gesetzlichen Vorschriften, um dieses Ziel zu erreichen.

Natürlich ist es schlecht, dass in den größten börsennotierten Konzernen Europas nur jedes zehnte Vorstandsmitglied weiblich ist.

Wenn in Deutschland lediglich 13 Prozent der Aufsichtsräte in Dax-Unternehmen Frauen sind, sollte das wach rütteln.

Eine Quote ist dennoch schädlich:

Die Unternehmen und ihre männlichen Mitarbeiter müssen vielmehr endlich verstehen, dass es in ihrem Eigeninteresse liegt, über Möglichkeiten zur Heimarbeit, eigene Kindertagesstätten und vieles mehr ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter in Führungspositionen zu erreichen.

Dazu brauchen sie ein neues Rollenverständnis nicht nur der Männer – auch der Frauen selbst.

Für Freitag, 12.11.10

Rede Nicole Bracht-Bendt zu Anträgen

a) der Fraktion der SPD

Mit gesetzlichen Regelungen die Gleichstellung von Frauen im Erwerbsleben umgehend durchsetzen

b) der Fraktion der Die Linke

Entgeltgleichheit zwischen den Geschlechtern wirksam durchsetzen

Verehrte Damen und Herren,

sowohl der Antrag der SPD-Fraktion als auch der Antrag der Fraktion Die Linke enthält in der Beschreibung der Situation von Frauen im Arbeitsleben viele Aussagen, die ich teile.

Es ist vollkommen richtig, dass es bei der ungleichen Belohnung und bei der Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsräten, Vorständen und in Leitungspositionen von Wirtschaft, Forschung und Lehre Handlungsbedarf besteht. Und Sie fordern eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen und Männer. Das alles unterstütze ich voll und ganz.

Aber, Frau Kollegin Humme in der SPD-Fraktion, warum haben Sie dies nicht während Ihrer Regierungszeit in der Großen Koalition längst umgesetzt? Bereits damals lag der durchschnittliche Verdienst um 23 Prozent unter dem Gehalt der Männer. Genau wie heute.

Und auch bei den Ursachen hat sich nichts wesentlich verändert. Junge Frauen entscheiden sich damals wie heute noch häufig für schlecht bezahlte Berufe. Ohne große Chancen auf berufliches Weiterkommen, Und es war Ihnen auch bekannt, dass längere familienbedingte Auszeiten aus dem Beruf die Karriere abbremst und sich das natürlich auch auf die Rente auswirkt. Da hat sich gar nichts geändert seitdem.

Und nun in der Opposition wollen Sie mit der Brechstange per Gesetz die Gleichstellung von Frauen im Erwerbsleben umgehend durchsetzen. Und zwar mit einem Riesenpaket an Forderungen, deren Umsetzung enorme neue Bürokratie verursacht.

Die christlich-liberale Koalition hat schon im ersten Jahr einen Antrag mit wichtigen Schritten zur Gleichstellungspolitik vorgelegt.

Wir sind davon überzeugt, dass wir die Männer mit ins Boot nehmen müssen. Dazu gehört, dass wir Stereotype aufbrechen. Niemand schaut eine Frau schief an, wenn sie Ingenieurin oder Erzieherin wird. Ein Mann als Kindergärtner muss hingegen nach wie vor um Anerkennung kämpfen. Deshalb hat die Bundesregierung zum Beispiel ein Programm zur Förderung von mehr Männern in den Kindergärten aufgelegt.

Die von Ihnen geforderte gesetzliche Frauenquote von mindestens 40 Prozent in Vorständen und Aufsichtsräten ist mit uns Liberalen nicht zu machen.

Wir lehnen es ab, die Unternehmen zu bevormunden und ihnen per Gesetz vorzuschreiben, wie sie auf ihre Posten besetzt.

Wenn Sie immer wieder auf Norwegen als Vorzeige-Land verweisen, verschweigen Sie, dass viele Unternehmen dort ihre Gesellschaftsform ändern, um die Quote zu umgehen.

Und Sie ignorieren auch, dass die Mehrheit der Bevölkerung gesetzliche Quoten ablehnen.  Zuschauerbefragungen in Fernsehdiskussionen zeigen dies immer wieder. Und erinnern Sie sich an die Debatte während des jüngsten CSU-Kongresses. Es waren vor allem die jungen Frauen, also die, die es am meisten betrifft, die vehement die Quote ablehnen.

Unabhängig davon verschließt die FDP-Fraktion nicht die Augen davor, dass der Anteil der Frauen in leitenden Positionen der Wirtschaft immer noch verschwindend gering ist. Je größer das Unternehmen, desto weniger Frauen in der Chefetage. Dass die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen in der obersten Ebene am größten sind, halte ich für einen Skandal.

Deshalb setzt die FDP-Bundestagsfraktion auf das Logib-D-Verfahren. Das schafft Transparenz und ist die Grundlage für die dringend notwendige Frauenförderung

Das gilt zum Beispiel für Frauen, die eine Aufgabe in einem Aufsichtsrat anstreben.

Statt einer starren Quote sollten wir die Kriterien verändern.

Warum ist es notwendig, dass ein Aufsichtsrat unbedingt jahrelange Vorstands-Erfahrung haben muss?

Hier werden die Frauen ausgebremst.

So lange man die Frauen in Vorständen suchen muss, werden die Aufsichtsräte weiter eine männliche Bastion bleiben.

Wir sollten hier ansetzen. Es gibt so viele erfahrene Wissenschaftlerinnen, Juristinnen oder Wirtschaftsprüferinnen, die auch ohne Vorstandserfahrung ein Gremium wie den Aufsichtsrat zweifelsohne bereichern würden.

Um den Anteil in Führungspositionen zu erhöhen, müssen zwei Wege beschritten werden:

Wir müssen einen gesellschaftlichen Wandel in Gang setzen. Dazu gehört eine neue Unternehmenskultur mit familienfreundliche Arbeitszeiten und dem weiteren Ausbau der Kinderbetreuung.

Kinder und Pflege von alten Menschen ist nicht auch Sache von Männern.

Wir brauchen eine gezielte Frauenförderung, und die darf nicht erst im Erwachsenenleben beginnen. Schon in der Schule müssen Mädchen motiviert werden, selbstbewusst für ihre Rechte einzutreten.

Und Mädchen wie Jungen  müssen auch wissen, dass Haushalt nicht allein Sache von Frauen ist. Eine Studie des DIW Berlin hat belegt, dass die Lohnkluft nicht nur in unterschiedlicher Qualifikation, Berufswahl und Berufserfahrung und einer häufigeren Diskriminierung von Frauen durch den Arbeitgeber begründet ist.

Ein weiterer Faktor bei den Einkommensunterschieden ist nämlich das Ausmaß der Hausarbeit.

Vollzeitbeschäftigte Männer mähen am Wochenende den Rasen. Vollzeitbeschäftigte Frauen übernehmen ohne zu murren Wischmopp und Kochlöffel.

Einkommen und Karriere müssen zurück stehen, wenn die Flexibität für berufliche Termine oder Überstunden aufgrund der häuslichen Tätigkeit fehlt.

Meine Damen und Herren,

für die FDP-Fraktion steht außerfrage, dass die Gleichstellung von Frauen im Berufsleben überfällig ist. Die christlich-liberale Koalition hat mit ihrem Antrag bereits wichtige Schritte hierzu unternommen.

Die Wirtschaft braucht mehr Frauen, aber die Unternehmen brauchen keine gesetzlichen Vorschriften.

Die Unternehmen müssen vielmehr endlich verstehen, dass es in ihrem Eigeninteresse liegt, über Möglichkeiten zur Heimarbeit, eigene Kindertagesstätten und vieles mehr ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter in Führungspositionen zu erreichen.

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Die Wirtschaft braucht mehr Frauen in den Vorständen und Aufsichtsräten. Aber die Unternehmen brauchen keine gesetzlichen Vorschriften, um dieses Ziel zu erreichen.

Natürlich ist es schlecht, dass in den größten börsennotierten Konzernen Europas nur jedes zehnte Vorstandsmitglied weiblich ist.

Wenn in Deutschland lediglich 13 Prozent der Aufsichtsräte in Dax-Unternehmen Frauen sind, sollte das wach rütteln.

Eine Quote ist dennoch schädlich:

Die Unternehmen und ihre männlichen Mitarbeiter müssen vielmehr endlich verstehen, dass es in ihrem Eigeninteresse liegt, über Möglichkeiten zur Heimarbeit, eigene Kindertagesstätten und vieles mehr ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter in Führungspositionen zu erreichen.

Dazu brauchen sie ein neues Rollenverständnis nicht nur der Männer – auch der Frauen selbst.

Für Freitag, 12.11.10

Rede Nicole Bracht-Bendt zu Anträgen

a) der Fraktion der SPD

Mit gesetzlichen Regelungen die Gleichstellung von Frauen im Erwerbsleben umgehend durchsetzen

b) der Fraktion der Die Linke

Entgeltgleichheit zwischen den Geschlechtern wirksam durchsetzen

Verehrte Damen und Herren,

sowohl der Antrag der SPD-Fraktion als auch der Antrag der Fraktion Die Linke enthält in der Beschreibung der Situation von Frauen im Arbeitsleben viele Aussagen, die ich teile.

Es ist vollkommen richtig, dass es bei der ungleichen Belohnung und bei der Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsräten, Vorständen und in Leitungspositionen von Wirtschaft, Forschung und Lehre Handlungsbedarf besteht. Und Sie fordern eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen und Männer. Das alles unterstütze ich voll und ganz.

Aber, Frau Kollegin Humme in der SPD-Fraktion, warum haben Sie dies nicht während Ihrer Regierungszeit in der Großen Koalition längst umgesetzt? Bereits damals lag der durchschnittliche Verdienst um 23 Prozent unter dem Gehalt der Männer. Genau wie heute.

Und auch bei den Ursachen hat sich nichts wesentlich verändert. Junge Frauen entscheiden sich damals wie heute noch häufig für schlecht bezahlte Berufe. Ohne große Chancen auf berufliches Weiterkommen, Und es war Ihnen auch bekannt, dass längere familienbedingte Auszeiten aus dem Beruf die Karriere abbremst und sich das natürlich auch auf die Rente auswirkt. Da hat sich gar nichts geändert seitdem.

Und nun in der Opposition wollen Sie mit der Brechstange per Gesetz die Gleichstellung von Frauen im Erwerbsleben umgehend durchsetzen. Und zwar mit einem Riesenpaket an Forderungen, deren Umsetzung enorme neue Bürokratie verursacht.

Die christlich-liberale Koalition hat schon im ersten Jahr einen Antrag mit wichtigen Schritten zur Gleichstellungspolitik vorgelegt.

Wir sind davon überzeugt, dass wir die Männer mit ins Boot nehmen müssen. Dazu gehört, dass wir Stereotype aufbrechen. Niemand schaut eine Frau schief an, wenn sie Ingenieurin oder Erzieherin wird. Ein Mann als Kindergärtner muss hingegen nach wie vor um Anerkennung kämpfen. Deshalb hat die Bundesregierung zum Beispiel ein Programm zur Förderung von mehr Männern in den Kindergärten aufgelegt.

Die von Ihnen geforderte gesetzliche Frauenquote von mindestens 40 Prozent in Vorständen und Aufsichtsräten ist mit uns Liberalen nicht zu machen.

Wir lehnen es ab, die Unternehmen zu bevormunden und ihnen per Gesetz vorzuschreiben, wie sie auf ihre Posten besetzt.

Wenn Sie immer wieder auf Norwegen als Vorzeige-Land verweisen, verschweigen Sie, dass viele Unternehmen dort ihre Gesellschaftsform ändern, um die Quote zu umgehen.

Und Sie ignorieren auch, dass die Mehrheit der Bevölkerung gesetzliche Quoten ablehnen.  Zuschauerbefragungen in Fernsehdiskussionen zeigen dies immer wieder. Und erinnern Sie sich an die Debatte während des jüngsten CSU-Kongresses. Es waren vor allem die jungen Frauen, also die, die es am meisten betrifft, die vehement die Quote ablehnen.

Unabhängig davon verschließt die FDP-Fraktion nicht die Augen davor, dass der Anteil der Frauen in leitenden Positionen der Wirtschaft immer noch verschwindend gering ist. Je größer das Unternehmen, desto weniger Frauen in der Chefetage. Dass die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen in der obersten Ebene am größten sind, halte ich für einen Skandal.

Deshalb setzt die FDP-Bundestagsfraktion auf das Logib-D-Verfahren. Das schafft Transparenz und ist die Grundlage für die dringend notwendige Frauenförderung

Das gilt zum Beispiel für Frauen, die eine Aufgabe in einem Aufsichtsrat anstreben.

Statt einer starren Quote sollten wir die Kriterien verändern.

Warum ist es notwendig, dass ein Aufsichtsrat unbedingt jahrelange Vorstands-Erfahrung haben muss?

Hier werden die Frauen ausgebremst.

So lange man die Frauen in Vorständen suchen muss, werden die Aufsichtsräte weiter eine männliche Bastion bleiben.

Wir sollten hier ansetzen. Es gibt so viele erfahrene Wissenschaftlerinnen, Juristinnen oder Wirtschaftsprüferinnen, die auch ohne Vorstandserfahrung ein Gremium wie den Aufsichtsrat zweifelsohne bereichern würden.

Um den Anteil in Führungspositionen zu erhöhen, müssen zwei Wege beschritten werden:

Wir müssen einen gesellschaftlichen Wandel in Gang setzen. Dazu gehört eine neue Unternehmenskultur mit familienfreundliche Arbeitszeiten und dem weiteren Ausbau der Kinderbetreuung.

Kinder und Pflege von alten Menschen ist nicht auch Sache von Männern.

Wir brauchen eine gezielte Frauenförderung, und die darf nicht erst im Erwachsenenleben beginnen. Schon in der Schule müssen Mädchen motiviert werden, selbstbewusst für ihre Rechte einzutreten.

Und Mädchen wie Jungen  müssen auch wissen, dass Haushalt nicht allein Sache von Frauen ist. Eine Studie des DIW Berlin hat belegt, dass die Lohnkluft nicht nur in unterschiedlicher Qualifikation, Berufswahl und Berufserfahrung und einer häufigeren Diskriminierung von Frauen durch den Arbeitgeber begründet ist.

Ein weiterer Faktor bei den Einkommensunterschieden ist nämlich das Ausmaß der Hausarbeit.

Vollzeitbeschäftigte Männer mähen am Wochenende den Rasen. Vollzeitbeschäftigte Frauen übernehmen ohne zu murren Wischmopp und Kochlöffel.

Einkommen und Karriere müssen zurück stehen, wenn die Flexibität für berufliche Termine oder Überstunden aufgrund der häuslichen Tätigkeit fehlt.

Meine Damen und Herren,

für die FDP-Fraktion steht außerfrage, dass die Gleichstellung von Frauen im Berufsleben überfällig ist. Die christlich-liberale Koalition hat mit ihrem Antrag bereits wichtige Schritte hierzu unternommen.

Die Wirtschaft braucht mehr Frauen, aber die Unternehmen brauchen keine gesetzlichen Vorschriften.

Die Unternehmen müssen vielmehr endlich verstehen, dass es in ihrem Eigeninteresse liegt, über Möglichkeiten zur Heimarbeit, eigene Kindertagesstätten und vieles mehr ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter in Führungspositionen zu erreichen.

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Die Wirtschaft braucht mehr Frauen in den Vorständen und Aufsichtsräten. Aber die Unternehmen brauchen keine gesetzlichen Vorschriften, um dieses Ziel zu erreichen.

Natürlich ist es schlecht, dass in den größten börsennotierten Konzernen Europas nur jedes zehnte Vorstandsmitglied weiblich ist.

Wenn in Deutschland lediglich 13 Prozent der Aufsichtsräte in Dax-Unternehmen Frauen sind, sollte das wach rütteln.

Eine Quote ist dennoch schädlich:

Die Unternehmen und ihre männlichen Mitarbeiter müssen vielmehr endlich verstehen, dass es in ihrem Eigeninteresse liegt, über Möglichkeiten zur Heimarbeit, eigene Kindertagesstätten und vieles mehr ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter in Führungspositionen zu erreichen.

Dazu brauchen sie ein neues Rollenverständnis nicht nur der Männer – auch der Frauen selbst.

Für Freitag, 12.11.10

Rede Nicole Bracht-Bendt zu Anträgen

a) der Fraktion der SPD

Mit gesetzlichen Regelungen die Gleichstellung von Frauen im Erwerbsleben umgehend durchsetzen

b) der Fraktion der Die Linke

Entgeltgleichheit zwischen den Geschlechtern wirksam durchsetzen

Verehrte Damen und Herren,

sowohl der Antrag der SPD-Fraktion als auch der Antrag der Fraktion Die Linke enthält in der Beschreibung der Situation von Frauen im Arbeitsleben viele Aussagen, die ich teile.

Es ist vollkommen richtig, dass es bei der ungleichen Belohnung und bei der Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsräten, Vorständen und in Leitungspositionen von Wirtschaft, Forschung und Lehre Handlungsbedarf besteht. Und Sie fordern eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen und Männer. Das alles unterstütze ich voll und ganz.

Aber, Frau Kollegin Humme in der SPD-Fraktion, warum haben Sie dies nicht während Ihrer Regierungszeit in der Großen Koalition längst umgesetzt? Bereits damals lag der durchschnittliche Verdienst um 23 Prozent unter dem Gehalt der Männer. Genau wie heute.

Und auch bei den Ursachen hat sich nichts wesentlich verändert. Junge Frauen entscheiden sich damals wie heute noch häufig für schlecht bezahlte Berufe. Ohne große Chancen auf berufliches Weiterkommen, Und es war Ihnen auch bekannt, dass längere familienbedingte Auszeiten aus dem Beruf die Karriere abbremst und sich das natürlich auch auf die Rente auswirkt. Da hat sich gar nichts geändert seitdem.

Und nun in der Opposition wollen Sie mit der Brechstange per Gesetz die Gleichstellung von Frauen im Erwerbsleben umgehend durchsetzen. Und zwar mit einem Riesenpaket an Forderungen, deren Umsetzung enorme neue Bürokratie verursacht.

Die christlich-liberale Koalition hat schon im ersten Jahr einen Antrag mit wichtigen Schritten zur Gleichstellungspolitik vorgelegt.

Wir sind davon überzeugt, dass wir die Männer mit ins Boot nehmen müssen. Dazu gehört, dass wir Stereotype aufbrechen. Niemand schaut eine Frau schief an, wenn sie Ingenieurin oder Erzieherin wird. Ein Mann als Kindergärtner muss hingegen nach wie vor um Anerkennung kämpfen. Deshalb hat die Bundesregierung zum Beispiel ein Programm zur Förderung von mehr Männern in den Kindergärten aufgelegt.

Die von Ihnen geforderte gesetzliche Frauenquote von mindestens 40 Prozent in Vorständen und Aufsichtsräten ist mit uns Liberalen nicht zu machen.

Wir lehnen es ab, die Unternehmen zu bevormunden und ihnen per Gesetz vorzuschreiben, wie sie auf ihre Posten besetzt.

Wenn Sie immer wieder auf Norwegen als Vorzeige-Land verweisen, verschweigen Sie, dass viele Unternehmen dort ihre Gesellschaftsform ändern, um die Quote zu umgehen.

Und Sie ignorieren auch, dass die Mehrheit der Bevölkerung gesetzliche Quoten ablehnen.  Zuschauerbefragungen in Fernsehdiskussionen zeigen dies immer wieder. Und erinnern Sie sich an die Debatte während des jüngsten CSU-Kongresses. Es waren vor allem die jungen Frauen, also die, die es am meisten betrifft, die vehement die Quote ablehnen.

Unabhängig davon verschließt die FDP-Fraktion nicht die Augen davor, dass der Anteil der Frauen in leitenden Positionen der Wirtschaft immer noch verschwindend gering ist. Je größer das Unternehmen, desto weniger Frauen in der Chefetage. Dass die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen in der obersten Ebene am größten sind, halte ich für einen Skandal.

Deshalb setzt die FDP-Bundestagsfraktion auf das Logib-D-Verfahren. Das schafft Transparenz und ist die Grundlage für die dringend notwendige Frauenförderung

Das gilt zum Beispiel für Frauen, die eine Aufgabe in einem Aufsichtsrat anstreben.

Statt einer starren Quote sollten wir die Kriterien verändern.

Warum ist es notwendig, dass ein Aufsichtsrat unbedingt jahrelange Vorstands-Erfahrung haben muss?

Hier werden die Frauen ausgebremst.

So lange man die Frauen in Vorständen suchen muss, werden die Aufsichtsräte weiter eine männliche Bastion bleiben.

Wir sollten hier ansetzen. Es gibt so viele erfahrene Wissenschaftlerinnen, Juristinnen oder Wirtschaftsprüferinnen, die auch ohne Vorstandserfahrung ein Gremium wie den Aufsichtsrat zweifelsohne bereichern würden.

Um den Anteil in Führungspositionen zu erhöhen, müssen zwei Wege beschritten werden:

Wir müssen einen gesellschaftlichen Wandel in Gang setzen. Dazu gehört eine neue Unternehmenskultur mit familienfreundliche Arbeitszeiten und dem weiteren Ausbau der Kinderbetreuung.

Kinder und Pflege von alten Menschen ist nicht auch Sache von Männern.

Wir brauchen eine gezielte Frauenförderung, und die darf nicht erst im Erwachsenenleben beginnen. Schon in der Schule müssen Mädchen motiviert werden, selbstbewusst für ihre Rechte einzutreten.

Und Mädchen wie Jungen  müssen auch wissen, dass Haushalt nicht allein Sache von Frauen ist. Eine Studie des DIW Berlin hat belegt, dass die Lohnkluft nicht nur in unterschiedlicher Qualifikation, Berufswahl und Berufserfahrung und einer häufigeren Diskriminierung von Frauen durch den Arbeitgeber begründet ist.

Ein weiterer Faktor bei den Einkommensunterschieden ist nämlich das Ausmaß der Hausarbeit.

Vollzeitbeschäftigte Männer mähen am Wochenende den Rasen. Vollzeitbeschäftigte Frauen übernehmen ohne zu murren Wischmopp und Kochlöffel.

Einkommen und Karriere müssen zurück stehen, wenn die Flexibität für berufliche Termine oder Überstunden aufgrund der häuslichen Tätigkeit fehlt.

Meine Damen und Herren,

für die FDP-Fraktion steht außerfrage, dass die Gleichstellung von Frauen im Berufsleben überfällig ist. Die christlich-liberale Koalition hat mit ihrem Antrag bereits wichtige Schritte hierzu unternommen.

Die Wirtschaft braucht mehr Frauen, aber die Unternehmen brauchen keine gesetzlichen Vorschriften.

Die Unternehmen müssen vielmehr endlich verstehen, dass es in ihrem Eigeninteresse liegt, über Möglichkeiten zur Heimarbeit, eigene Kindertagesstätten und vieles mehr ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter in Führungspositionen zu erreichen.

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Die Wirtschaft braucht mehr Frauen in den Vorständen und Aufsichtsräten. Aber die Unternehmen brauchen keine gesetzlichen Vorschriften, um dieses Ziel zu erreichen.

Natürlich ist es schlecht, dass in den größten börsennotierten Konzernen Europas nur jedes zehnte Vorstandsmitglied weiblich ist.

Wenn in Deutschland lediglich 13 Prozent der Aufsichtsräte in Dax-Unternehmen Frauen sind, sollte das wach rütteln.

Eine Quote ist dennoch schädlich:

Die Unternehmen und ihre männlichen Mitarbeiter müssen vielmehr endlich verstehen, dass es in ihrem Eigeninteresse liegt, über Möglichkeiten zur Heimarbeit, eigene Kindertagesstätten und vieles mehr ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter in Führungspositionen zu erreichen.

Dazu brauchen sie ein neues Rollenverständnis nicht nur der Männer – auch der Frauen selbst.

Für Freitag, 12.11.10

Rede Nicole Bracht-Bendt zu Anträgen

a) der Fraktion der SPD

Mit gesetzlichen Regelungen die Gleichstellung von Frauen im Erwerbsleben umgehend durchsetzen

b) der Fraktion der Die Linke

Entgeltgleichheit zwischen den Geschlechtern wirksam durchsetzen

Verehrte Damen und Herren,

sowohl der Antrag der SPD-Fraktion als auch der Antrag der Fraktion Die Linke enthält in der Beschreibung der Situation von Frauen im Arbeitsleben viele Aussagen, die ich teile.

Es ist vollkommen richtig, dass es bei der ungleichen Belohnung und bei der Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsräten, Vorständen und in Leitungspositionen von Wirtschaft, Forschung und Lehre Handlungsbedarf besteht. Und Sie fordern eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen und Männer. Das alles unterstütze ich voll und ganz.

Aber, Frau Kollegin Humme in der SPD-Fraktion, warum haben Sie dies nicht während Ihrer Regierungszeit in der Großen Koalition längst umgesetzt? Bereits damals lag der durchschnittliche Verdienst um 23 Prozent unter dem Gehalt der Männer. Genau wie heute.

Und auch bei den Ursachen hat sich nichts wesentlich verändert. Junge Frauen entscheiden sich damals wie heute noch häufig für schlecht bezahlte Berufe. Ohne große Chancen auf berufliches Weiterkommen, Und es war Ihnen auch bekannt, dass längere familienbedingte Auszeiten aus dem Beruf die Karriere abbremst und sich das natürlich auch auf die Rente auswirkt. Da hat sich gar nichts geändert seitdem.

Und nun in der Opposition wollen Sie mit der Brechstange per Gesetz die Gleichstellung von Frauen im Erwerbsleben umgehend durchsetzen. Und zwar mit einem Riesenpaket an Forderungen, deren Umsetzung enorme neue Bürokratie verursacht.

Die christlich-liberale Koalition hat schon im ersten Jahr einen Antrag mit wichtigen Schritten zur Gleichstellungspolitik vorgelegt.

Wir sind davon überzeugt, dass wir die Männer mit ins Boot nehmen müssen. Dazu gehört, dass wir Stereotype aufbrechen. Niemand schaut eine Frau schief an, wenn sie Ingenieurin oder Erzieherin wird. Ein Mann als Kindergärtner muss hingegen nach wie vor um Anerkennung kämpfen. Deshalb hat die Bundesregierung zum Beispiel ein Programm zur Förderung von mehr Männern in den Kindergärten aufgelegt.

Die von Ihnen geforderte gesetzliche Frauenquote von mindestens 40 Prozent in Vorständen und Aufsichtsräten ist mit uns Liberalen nicht zu machen.

Wir lehnen es ab, die Unternehmen zu bevormunden und ihnen per Gesetz vorzuschreiben, wie sie auf ihre Posten besetzt.

Wenn Sie immer wieder auf Norwegen als Vorzeige-Land verweisen, verschweigen Sie, dass viele Unternehmen dort ihre Gesellschaftsform ändern, um die Quote zu umgehen.

Und Sie ignorieren auch, dass die Mehrheit der Bevölkerung gesetzliche Quoten ablehnen.  Zuschauerbefragungen in Fernsehdiskussionen zeigen dies immer wieder. Und erinnern Sie sich an die Debatte während des jüngsten CSU-Kongresses. Es waren vor allem die jungen Frauen, also die, die es am meisten betrifft, die vehement die Quote ablehnen.

Unabhängig davon verschließt die FDP-Fraktion nicht die Augen davor, dass der Anteil der Frauen in leitenden Positionen der Wirtschaft immer noch verschwindend gering ist. Je größer das Unternehmen, desto weniger Frauen in der Chefetage. Dass die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen in der obersten Ebene am größten sind, halte ich für einen Skandal.

Deshalb setzt die FDP-Bundestagsfraktion auf das Logib-D-Verfahren. Das schafft Transparenz und ist die Grundlage für die dringend notwendige Frauenförderung

Das gilt zum Beispiel für Frauen, die eine Aufgabe in einem Aufsichtsrat anstreben.

Statt einer starren Quote sollten wir die Kriterien verändern.

Warum ist es notwendig, dass ein Aufsichtsrat unbedingt jahrelange Vorstands-Erfahrung haben muss?

Hier werden die Frauen ausgebremst.

So lange man die Frauen in Vorständen suchen muss, werden die Aufsichtsräte weiter eine männliche Bastion bleiben.

Wir sollten hier ansetzen. Es gibt so viele erfahrene Wissenschaftlerinnen, Juristinnen oder Wirtschaftsprüferinnen, die auch ohne Vorstandserfahrung ein Gremium wie den Aufsichtsrat zweifelsohne bereichern würden.

Um den Anteil in Führungspositionen zu erhöhen, müssen zwei Wege beschritten werden:

Wir müssen einen gesellschaftlichen Wandel in Gang setzen. Dazu gehört eine neue Unternehmenskultur mit familienfreundliche Arbeitszeiten und dem weiteren Ausbau der Kinderbetreuung.

Kinder und Pflege von alten Menschen ist nicht auch Sache von Männern.

Wir brauchen eine gezielte Frauenförderung, und die darf nicht erst im Erwachsenenleben beginnen. Schon in der Schule müssen Mädchen motiviert werden, selbstbewusst für ihre Rechte einzutreten.

Und Mädchen wie Jungen  müssen auch wissen, dass Haushalt nicht allein Sache von Frauen ist. Eine Studie des DIW Berlin hat belegt, dass die Lohnkluft nicht nur in unterschiedlicher Qualifikation, Berufswahl und Berufserfahrung und einer häufigeren Diskriminierung von Frauen durch den Arbeitgeber begründet ist.

Ein weiterer Faktor bei den Einkommensunterschieden ist nämlich das Ausmaß der Hausarbeit.

Vollzeitbeschäftigte Männer mähen am Wochenende den Rasen. Vollzeitbeschäftigte Frauen übernehmen ohne zu murren Wischmopp und Kochlöffel.

Einkommen und Karriere müssen zurück stehen, wenn die Flexibität für berufliche Termine oder Überstunden aufgrund der häuslichen Tätigkeit fehlt.

Meine Damen und Herren,

für die FDP-Fraktion steht außerfrage, dass die Gleichstellung von Frauen im Berufsleben überfällig ist. Die christlich-liberale Koalition hat mit ihrem Antrag bereits wichtige Schritte hierzu unternommen.

Die Wirtschaft braucht mehr Frauen, aber die Unternehmen brauchen keine gesetzlichen Vorschriften.

Die Unternehmen müssen vielmehr endlich verstehen, dass es in ihrem Eigeninteresse liegt, über Möglichkeiten zur Heimarbeit, eigene Kindertagesstätten und vieles mehr ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter in Führungspositionen zu erreichen.

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Die Wirtschaft braucht mehr Frauen in den Vorständen und Aufsichtsräten. Aber die Unternehmen brauchen keine gesetzlichen Vorschriften, um dieses Ziel zu erreichen.

Natürlich ist es schlecht, dass in den größten börsennotierten Konzernen Europas nur jedes zehnte Vorstandsmitglied weiblich ist.

Wenn in Deutschland lediglich 13 Prozent der Aufsichtsräte in Dax-Unternehmen Frauen sind, sollte das wach rütteln.

Eine Quote ist dennoch schädlich:

Die Unternehmen und ihre männlichen Mitarbeiter müssen vielmehr endlich verstehen, dass es in ihrem Eigeninteresse liegt, über Möglichkeiten zur Heimarbeit, eigene Kindertagesstätten und vieles mehr ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter in Führungspositionen zu erreichen.

Dazu brauchen sie ein neues Rollenverständnis nicht nur der Männer – auch der Frauen selbst.

Für Freitag, 12.11.10

Rede Nicole Bracht-Bendt zu Anträgen

a) der Fraktion der SPD

Mit gesetzlichen Regelungen die Gleichstellung von Frauen im Erwerbsleben umgehend durchsetzen

b) der Fraktion der Die Linke

Entgeltgleichheit zwischen den Geschlechtern wirksam durchsetzen

Verehrte Damen und Herren,

sowohl der Antrag der SPD-Fraktion als auch der Antrag der Fraktion Die Linke enthält in der Beschreibung der Situation von Frauen im Arbeitsleben viele Aussagen, die ich teile.

Es ist vollkommen richtig, dass es bei der ungleichen Belohnung und bei der Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsräten, Vorständen und in Leitungspositionen von Wirtschaft, Forschung und Lehre Handlungsbedarf besteht. Und Sie fordern eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen und Männer. Das alles unterstütze ich voll und ganz.

Aber, Frau Kollegin Humme in der SPD-Fraktion, warum haben Sie dies nicht während Ihrer Regierungszeit in der Großen Koalition längst umgesetzt? Bereits damals lag der durchschnittliche Verdienst um 23 Prozent unter dem Gehalt der Männer. Genau wie heute.

Und auch bei den Ursachen hat sich nichts wesentlich verändert. Junge Frauen entscheiden sich damals wie heute noch häufig für schlecht bezahlte Berufe. Ohne große Chancen auf berufliches Weiterkommen, Und es war Ihnen auch bekannt, dass längere familienbedingte Auszeiten aus dem Beruf die Karriere abbremst und sich das natürlich auch auf die Rente auswirkt. Da hat sich gar nichts geändert seitdem.

Und nun in der Opposition wollen Sie mit der Brechstange per Gesetz die Gleichstellung von Frauen im Erwerbsleben umgehend durchsetzen. Und zwar mit einem Riesenpaket an Forderungen, deren Umsetzung enorme neue Bürokratie verursacht.

Die christlich-liberale Koalition hat schon im ersten Jahr einen Antrag mit wichtigen Schritten zur Gleichstellungspolitik vorgelegt.

Wir sind davon überzeugt, dass wir die Männer mit ins Boot nehmen müssen. Dazu gehört, dass wir Stereotype aufbrechen. Niemand schaut eine Frau schief an, wenn sie Ingenieurin oder Erzieherin wird. Ein Mann als Kindergärtner muss hingegen nach wie vor um Anerkennung kämpfen. Deshalb hat die Bundesregierung zum Beispiel ein Programm zur Förderung von mehr Männern in den Kindergärten aufgelegt.

Die von Ihnen geforderte gesetzliche Frauenquote von mindestens 40 Prozent in Vorständen und Aufsichtsräten ist mit uns Liberalen nicht zu machen.

Wir lehnen es ab, die Unternehmen zu bevormunden und ihnen per Gesetz vorzuschreiben, wie sie auf ihre Posten besetzt.

Wenn Sie immer wieder auf Norwegen als Vorzeige-Land verweisen, verschweigen Sie, dass viele Unternehmen dort ihre Gesellschaftsform ändern, um die Quote zu umgehen.

Und Sie ignorieren auch, dass die Mehrheit der Bevölkerung gesetzliche Quoten ablehnen.  Zuschauerbefragungen in Fernsehdiskussionen zeigen dies immer wieder. Und erinnern Sie sich an die Debatte während des jüngsten CSU-Kongresses. Es waren vor allem die jungen Frauen, also die, die es am meisten betrifft, die vehement die Quote ablehnen.

Unabhängig davon verschließt die FDP-Fraktion nicht die Augen davor, dass der Anteil der Frauen in leitenden Positionen der Wirtschaft immer noch verschwindend gering ist. Je größer das Unternehmen, desto weniger Frauen in der Chefetage. Dass die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen in der obersten Ebene am größten sind, halte ich für einen Skandal.

Deshalb setzt die FDP-Bundestagsfraktion auf das Logib-D-Verfahren. Das schafft Transparenz und ist die Grundlage für die dringend notwendige Frauenförderung

Das gilt zum Beispiel für Frauen, die eine Aufgabe in einem Aufsichtsrat anstreben.

Statt einer starren Quote sollten wir die Kriterien verändern.

Warum ist es notwendig, dass ein Aufsichtsrat unbedingt jahrelange Vorstands-Erfahrung haben muss?

Hier werden die Frauen ausgebremst.

So lange man die Frauen in Vorständen suchen muss, werden die Aufsichtsräte weiter eine männliche Bastion bleiben.

Wir sollten hier ansetzen. Es gibt so viele erfahrene Wissenschaftlerinnen, Juristinnen oder Wirtschaftsprüferinnen, die auch ohne Vorstandserfahrung ein Gremium wie den Aufsichtsrat zweifelsohne bereichern würden.

Um den Anteil in Führungspositionen zu erhöhen, müssen zwei Wege beschritten werden:

Wir müssen einen gesellschaftlichen Wandel in Gang setzen. Dazu gehört eine neue Unternehmenskultur mit familienfreundliche Arbeitszeiten und dem weiteren Ausbau der Kinderbetreuung.

Kinder und Pflege von alten Menschen ist nicht auch Sache von Männern.

Wir brauchen eine gezielte Frauenförderung, und die darf nicht erst im Erwachsenenleben beginnen. Schon in der Schule müssen Mädchen motiviert werden, selbstbewusst für ihre Rechte einzutreten.

Und Mädchen wie Jungen  müssen auch wissen, dass Haushalt nicht allein Sache von Frauen ist. Eine Studie des DIW Berlin hat belegt, dass die Lohnkluft nicht nur in unterschiedlicher Qualifikation, Berufswahl und Berufserfahrung und einer häufigeren Diskriminierung von Frauen durch den Arbeitgeber begründet ist.

Ein weiterer Faktor bei den Einkommensunterschieden ist nämlich das Ausmaß der Hausarbeit.

Vollzeitbeschäftigte Männer mähen am Wochenende den Rasen. Vollzeitbeschäftigte Frauen übernehmen ohne zu murren Wischmopp und Kochlöffel.

Einkommen und Karriere müssen zurück stehen, wenn die Flexibität für berufliche Termine oder Überstunden aufgrund der häuslichen Tätigkeit fehlt.

Meine Damen und Herren,

für die FDP-Fraktion steht außerfrage, dass die Gleichstellung von Frauen im Berufsleben überfällig ist. Die christlich-liberale Koalition hat mit ihrem Antrag bereits wichtige Schritte hierzu unternommen.

Die Wirtschaft braucht mehr Frauen, aber die Unternehmen brauchen keine gesetzlichen Vorschriften.

Die Unternehmen müssen vielmehr endlich verstehen, dass es in ihrem Eigeninteresse liegt, über Möglichkeiten zur Heimarbeit, eigene Kindertagesstätten und vieles mehr ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter in Führungspositionen zu erreichen.

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Die Wirtschaft braucht mehr Frauen in den Vorständen und Aufsichtsräten. Aber die Unternehmen brauchen keine gesetzlichen Vorschriften, um dieses Ziel zu erreichen.

Natürlich ist es schlecht, dass in den größten börsennotierten Konzernen Europas nur jedes zehnte Vorstandsmitglied weiblich ist.

Wenn in Deutschland lediglich 13 Prozent der Aufsichtsräte in Dax-Unternehmen Frauen sind, sollte das wach rütteln.

Eine Quote ist dennoch schädlich:

Die Unternehmen und ihre männlichen Mitarbeiter müssen vielmehr endlich verstehen, dass es in ihrem Eigeninteresse liegt, über Möglichkeiten zur Heimarbeit, eigene Kindertagesstätten und vieles mehr ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter in Führungspositionen zu erreichen.

Dazu brauchen sie ein neues Rollenverständnis nicht nur der Männer – auch der Frauen selbst.

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