Berlin, 19. Oktober 2012

Liebe liberale Freunde,

der Seniorenkongress der FDP-Bundestagsfraktion heute setzte nicht nur den Schlussakkord dieser Sitzungswoche, er war auch Höhepunkt für mich als Initiatorin in meiner Eigenschaft als seniorenpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion. Drei Dinge dazu: 1. Die enorme Resonanz (weit über 100 Teilnehmer aus allen Teilen Deutschlands) zeigt, dass der demografische Wandel ein hochbrisantes Thema ist, das viele beschäftigt. 2. Es besteht bei allen Experten dieses Forums und der Teilnehmer übereinstimmend die Überzeugung, dass Handlungsbedarf besteht und hier alle gefordert sind. 3) In vielen Fragen bestand bei Referenten und Teilnehmern und uns Abgeordneten Einigkeit über das Ziel, es gibt aber Unterschiede über den Weg, wie wir dahin kommen.

Ich habe schon in meiner Begrüßungsrede zum Ausdruck gebracht, dass der Staat zwar die Richtung abstecken kann (der unter meiner Federführung für meine Fraktion entwickelte Seniorenbeitrag wurde bereits im Bundestag beschlossen), aber nicht alles alleine richten kann. Gefordert sind Wirtschaft, Vereine, aber auch jeder einzelne, damit wir generationenübergreifend enger zusammen rücken.

Fraktionschef Rainer Brüderle griff meine Forderung nach einem flexibleren Renteneintritt in seiner Rede am Vormittag auf: „Arbeit ist mehr als Geldverdienen, für viele wäre es eine Strafe, nicht mehr arbeiten zu dürfen“. Brüderle warb eindringlich für ein Miteinander von Jung und Alt im Berufsleben und sagte „Alltagsrassismus darf es bei uns nicht geben“. Brüderle sprach sich ferner für eine Dynamisierung des Bildungssystems aus. Bildung müsse im Kindergarten beginnen und bis ins Alter andauern.

Mit Sachverstand und Souveränität moderierte Dr. Jürgen Gohde, Vorsitzender des Kuratoriums Deutsche Altershilfe die Diskussionen der drei Foren und verwies auf den 6. Altenbericht, in dem immer wieder die Vielfalt des Altersbildes betont wird. Im Fokus stehen müssten die fitten Älteren wie auch die in ihrer Mobilität eingeschränkten Alten.

Die Sprecherinder Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO), Dr. Claudia Kaiser, verwies auf eine Umfrage bei älteren Menschen, die Formen der Barrieren im Alltag darstellen: Treppen, schlechte Nahversorgung (kaum noch Einkaufsmöglichkeiten in Wohngebieten) sind zwei Beispiele, die älteren Menschen die soziale Teilhabe häufig schwer machen.

Claudia Müller von der Universität Siegen beschäftigt sich mit ihrem Wissenschaftler- Team mit der Frage, wie neue Technik benutzerorientierter ausgestaltet werden kann. Dr. Maik Plischke von der Landesinitiative Niedersachsen Generationenübergreifder Alltag (LINGA) warb für Wohnberater. Seine These: Eine Wohnung seniorengerecht auszustatten sei viel preisgünstiger als häufig angenommen wird. Man müsse nur wissen, was möglich ist. Über Neuerungen bei den Technischen Assistenzsystemen berichtete Dr. Rainer Wichert vom Fraunhofer Institut.

Herausforderungen an die Arbeitswelt standen im Mittelpunkt des Forums II: Unter anderem berichtete Carsten Hoehre, Projektleiter von 50 plus, sprach über seine (positiven) Erfahrungen mit so genannten Vermittlungscoaches. Der Arbeitsmarktreferent Dr. Alexander Böhne vom Bundesverband der Arbeitgeber wies auf Erfolge der deutschen Wirtschaft und Politik hin: „Wir haben bei der Arbeitslosigkeit Älterer selbst Finnland, was lange das große Vorbild war, eingeholt.“ Er sprach sich für ein anderes Altersbild in Verbindung mit Eigenverantwortlichkeit der älteren Arbeitnehmer (Bewegung, gute Ernährung, Aktiv sein) aus. Prof. Dr.-Ing. Constantin Kinias, Chef des Insituts für Arbeitswissenschaft und Unternehmensoptimierung in Kiel, sagte, die Älteren müssten selber aktiver werden und Verantwortung übernehmen wollen. Er forderte „Tandems mit Jung und Alt“ aus, davon profitierten alle. An die Eigenverantwortlichkeit appellierte auch Carten von Rabenau von der Hamburger Otto Group. Mein Fraktionskollege Johannes Vogel kündigte an, dass die „unsinnigen“ Hinzuverdienstgrenzen von Rentnern noch in dieser Legislaturperiode gestrichen werden. Er wies darauf hin, dass die Koalition die Ko- Finanzierung bei der Bundesanstalt für Arbeit für Ältere ausgeweitet hat.

Im letzten Forum heute Nachmittag ging es unter Mitwirkung des Bundesvorsitzenden der Liberalen Senioren, Detlef Parr, um Beispiele des Aktiven Alters. Unter anderem berichtete Günther Hinterberg von der Initiative Anti-Rost Braunschweig über die Erfahrungen seines Vereins für Männer und Frauen nach dem Berufsleben, nach dem Motto „Senioren helfen Senioren“.

Liebe liberale Freunde,ich möchte Sie heute nicht mit Informationen überstrapazieren, deshalb diesmal nur Stichworte zu den anderen Aktivitäten in dieser Sitzungswoche:Montag: Anhörung von Experten zum Gleichstellungsbericht

Dienstag: den ganzen Tag über Sitzungen der Fachgremien

Mittwoch: Austausch mit Contergan-Opfern, Interview mit Schülern, Sitzung Kinderkommission, am Abend Jahresempfang des Wehrbeauftragten, Helmut Königshaus.

Donnerstag: Plenumsdebatte, im Mittelpunkt stand die Regierungserklärung der Kanzlerin. Dazu ist zu sagen, trotz der rhetorischen Stärke des designierten SPD-Kanzlerkandidaten Steinbrück machte landete Merkel einen Punktsieg. Noch besser gefiel mir unser Fraktionschef Rainer Brüderle, der mit einfachen Wochen pointiert darlegte, warum die Union doch nicht ohne ihren Koalitionspartner kann. Kommentar in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung dazu heute: „Gut gebrüllt, Brüderle!! Na bitte. Weiter so!

Ich werde morgen an der Delegiertenversammlung der Liberalen Senioren in Berlin teilnehmen und nur am Sonntag einen kurzen Abstecher zu meiner Familie machen. Am Montag geht`s direkt weiter mit einer strammen Sitzungswoche. Ich werde am Donnerstag im Plenum zur Frauenpolitik sprechen.

Ihnen und Ihren Familien wünsche ich ein schönes Wochenende und grüße Sie herzlich!

Eine Antwort zu “Meine Woche in Berlin 19.10.2012”

  1. Dr. Dieter Hondelmann sagt:

    Sehr geehrte Frau Bracht-Bendt,
    Nach vielem Suchen, vielen Umwegen und nur weil ich weiß, dass Sie der Initiator waren,habe ich endlich Ihren persönlichen Bericht zu unserem Seniorenkongress gefunden. Auf der Parteiwebsite findet man auch erst, wenn man weiß, wonach man suchen muss, unter Seniorenpolitik eine Brüderle-gefärbte Darstellung. Meine Aufforderung an den Newsletter Frei-Brief über den Seniorenkongress zu berichten, wurde auch mit der heutigen Ausgabe negiert. Kommen die Senioren, die immerhin 40% der Wählerschaft stellen in der Bundespartei nicht vor? Wo sind die FDP-Antworten auf die albernen Vorschläge anderer zu Altersarmut und Zuschussrente, zur Reform der Rentenversicherung usw.??
    Freundliche Grüße
    Dieter Hondelmann

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