Sehr geehrte Damen und Herren,

als mich Frau Kraft vor einigen Monaten fragte, ob ich die Schirmherrschaft für die Zertifizierung von Kinderhospizen in Form einer Siegelverleihung übernehmen würde, habe ich spontan Ja gesagt. Ich bin gerne heute nach Olpe gekommen, und ich bin wirklich beeindruckt von Ihrem Haus und von Ihrem Engagement hier.

Ich möchte zunächst kurz auf die Situation in der Hospizbewegung in Deutschland eingehen. Die Hospizbewegung gründet auf bürgerlichem ehrenamtlichen Engagement. Heute engagieren sich bundesweit rund 80.000 Ehrenamtliche in der Hospizarbeit, und das ist eine eindrucksvolle Zahl.

Die Zahl der Hospize ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Seit 1996 hat sich die Zahl mehr als verdreifacht. Von 451 ambulanten Diensten auf rund 1.500 ambulante Hospiz- und Palliativdienste. Auch die Zahl stationärer Hospize ist deutlich gestiegen: Gegenüber 30 in 1996 waren es 2011 bereits 195 Hospize.

Der bedarfsgerechte Ausbau der palliativmedizinischen Versorgung in Deutschland ist ein Anliegen, das über alle Parteigrenzen hinweg in großem Konsens verfolgt wird. Dementsprechend sind in den letzten Jahren sozialrechtliche Weichenstellungen erfolgt, die zu deutlichen Verbesserungen der palliativmedizinischen Versorgung geführt haben.

Palliativmedizin bei Kindern ist mir als liberale Sozialpolitikerin ein ganz besonderes Anliegen.

In der Kinderkommission des Deutschen Bundestages haben wir uns vor wenigen Monaten auf meine Initiative hin intensiv mit der Arbeit von Kinderhospizen beschäftigt.

Als ich im Vorfeld der Debatten und der Anhörungen von Sachverständigen unser Arbeitsprogramm festlegte, ging es mir als damalige Vorsitzende der fraktionsübergreifenden Kinderkommission aber nicht nur um Finanzierungsfragen und um die medizinische Versorgung.

Ich wollte auch das Thema Sterben von Kindern in der Öffentlichkeit enttabuisieren. Insofern begrüße ich sehr die Idee, Hospizen, die alle Prozesse des Handbuchs des Bundesverbandes Kinder- und Jugendhospiz übernommen haben, zu zertifizieren. Diese erste Verleihung des Siegels ist ein hoffentlich guter Anlass, über Kinderhospize und deren Aufgaben zu reden. Also Transparenz zu schaffen.

Im Rahmen der Versorgung werden im stationären Hospiz neben der Unterkunft und Verpflegung rund um die Uhr palliativ-medizinische, palliativ-pflegerische, soziale, therapeutische, pädagogische Unterstützung geleistet.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten darüber hinaus Sterbe- und Trauerbegleitung. Ganz persönlich und intensiv. Nicht nur das todkranke Kind erfährt hier Zuwendung, sondern auch die Eltern, die häufig die Grenzen ihrer Kraft und ihrer Leidensfähigkeit  erreicht haben. Aber auch die Geschwister werden mit ihren Ängsten um die sterbende Schwester oder den Bruder aufgefangen.

Herzenswärme in Verbindung mit professioneller medizinischer Begleitung – dieses Engagement in einem Kinderhospiz wie hier in Olpe unterstütze ich aus Überzeugung.

Obwohl wir in Deutschland weltweit eines der besten Gesetze im Bereich der Palliativmedizin haben, geschieht dies in der Praxis häufig nicht in ausreichendem Maße.

Die Kinderkommmission – übrigens das einzige fraktionsübergreifende Gremium im Bundestag – hat im vergangenen Jahr einstimmig eine flächendeckende deutschlandweite Versorgung mit Palliativ-Teams gefordert.

Kinderpalliativmedizin erfordert eine ganzheitliche Sichtweise, die die physische, die psychische, die spirituelle und die soziale Ebene gleichermaßen berücksichtigt.

Unserer Überzeugung nach darf ganzheitliche Kinderhospizarbeit mit dem Tod des Kindes nicht aufhören. Wünschenswert ist die psychosoziale Begleitung der Familie über den Tod hinaus, zum Beispiel auch im ehrenamtlichen Bereich.

Die Kinderkommission befürwortet den Auf- und Ausbau von Kooperationen, die das Ziel haben, Unterstützung und Beratung für Kinder beim Umgang mit Trauer zu leisten. Zum Beispiel durch spezielle Trauergruppen für Kinder.

Gleichzeitig haben wir Abgeordnete aus allen Fraktionen des Bundestages uns für mehr Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit in Schulen und Kindergärten ausgesprochen. Ich bin der Meinung, diese Öffentlichkeitsarbeit muss einen noch größeren Bogen spannen. Die Öffentlichkeit muss wissen, wie wichtig Hospize – und vor allem Kinderhospize – sind.

Die erste offizielle Verleihung des Siegels des Bundesverbandes Kinder- und Jugendhospiz durch den TÜV Rheinland an Ihr Haus, Herr Barth, ist ein guter Anlass, das öffentliche Interesse an Ihrer Arbeit zu wecken.

Lassen Sie mich noch etwas zur Finanzierung sagen.

Hospizarbeit gibt es nicht zum Nulltarif. Es wird auch langfristig natürlich eine Finanzierung aus verschiedenen Töpfen geben. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass Kinderhospize auf Spenden angewiesen sind.

Die Bundesregierung plant übrigens nicht, in der Frage der Bereitstellung von Hospizplätzen zu einer bundesweiten Regelung überzugehen, sondern sie hat sich bewusst für eine lokale Regelung entschieden, die von den Ländern gesteuert wird. Gerde im Fall von Hospiz- und Palliativstationen macht es mehr Sinn, wenn vor Ort direkt entschieden wird. Unstrittig ist es jedoch Aufgabe der Bundesregierung, entsprechende Rahmenbedingungen zu setzen. Dies ist mit der Novellierung des Arzneimittelgesetzes 2009 geschehen.

Aber nicht nur der Bund ist in der Pflicht. Die Länder sind es ebenso. Ich bin froh darüber, dass bei mir in Niedersachsen, ich komme aus dem Landkreis Harburg, die CDU/FDP-Regierungsfraktionen vor wenigen Tagen in Hannover in einem Antrag gerade ein flächendeckendes palliativmedizinisches Angebot für Niedersachsen auf den Weg gebracht hat. Niedersachsen wäre damit ein Vorreiter in der palliativmedizinischen Versorgung bundesweit. Ich hoffe, dass andere Bundesländer dieser Initiative Niedersachsens folgen werden.

Vielen Dank.

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